Die Seen unserer Gegend:  

Der „Märchen-See“ (Peetsch-See) bei Peetsch

Klaus Ridder, Wesenberg  

 

Dieser See, der mit einer Fläche von nur 10,3 ha zu den sehr kleinen Seen unserer Gegend zählt, ist deshalb interessant, weil er zu den wenigen nährstoffarmen Gewässern zählt, die noch aus der Eiszeit übrig geblieben sind. Man bezeichnet diesen Seentyp als oligotroph. Diesen Zustand verdankt er vor allem seiner abgelegenen Lage in einem Waldgebiet im Südwesten des jetzigen Landkreises Mecklenburg-Strelitz.  
Er besitzt keine Zu- oder Abflüsse, so dass er durch Niederschlags­ und Grundwasser gespeist wird. Die Abmessungen der Wasserfläche des Peetsch-Sees sind von Nord nach Süd 400 m und von West nach Ost 310 m. Die Entfernung von der Ortsmitte des Dorfes Peetsch bis zur Mitte des Sees beträgt in der Luftlinie 2 km. Von der Ostseite des Schulzen-Sees im Ort Peetsch bis zur Westseite des Peetsch-Sees sind es 950 m. Zum Rätz-See beträgt die geringste Entfernung 700 m.
Die Bezeichnung „Peetsch-See“ kommt mehrmals in unserem Gebiet vor. So gibt es weitere Seen mit dieser Bezeichnung zwischen Steinförde und Neu Globsow, bei Neu Drosedow und auch bei der Diemitzer Schleuse. Das Wort „Peetsch“ wird aus dem Slawischen mit „Sandboden“ übersetzt, was durchaus für den See und seine nähere und weitere Umgebung zutrifft.
Im Jahre 1972 entdeckte der Verfasser ein Urnenfeld der vorrömischen Eisenzeit im Reek'schen Grund bei Wustrow. Ein Grab enthielt zwei bronzene Flügelnadelköpfe. die mit einer kleinen Kette verbunden waren. Es stellte sich heraus, dass man schon im Jahre 1885 bei einer Grabung (Dr. GOETZ) unmittelbar östlich des Peetsch-Sees die gleichen Beigaben gefunden hatte. Bereits im Jahre 1881 waren bei Aufforstungsarbeiten Scherben und Leichen-Brand geborgen und nach Neustrelitz gebracht worden. Beide Urnenfelder konnten folglich in die gleiche Zeit, etwa 500 v.u.Z., datiert werden.
Und noch einmal trat diese Gegend, dieses Mal mit dem Peetsch-See selbst, mit einem urgeschichtlichen Fund ans Tageslicht: Im Jahre 1991 fand Herr D. KNOLL aus Neustrelitz beim Tauchen in diesem See einige Reste von slawischen Teersiedegefäßen, die er dem Verfasser übergab. Sie gelangten ins Museumsdepot nach Waren.

Im Jahre 1978 wandte sich die Ortsgruppe Mirow des Deutschen Angelvereins an den Verfasser mit der Bitte, diesen See hinsichtlich seiner Beschaffenheit zu untersuchen, um hier möglicherweise Besatzmaßnahmen durchzuführen zu können.
Die Beprobung des Peetsch-Sees wurde gemeinsam mit Herrn D. OPITZ am 18.08.1978 vorgenommen. An diesem Tag, es war um 16.00 Uhr sonnig und die Lufttemperatur betrug 24°C, waren nur einige Urlauber vom FKK-Platz in der großen Bucht auf der Westseite des Rätz-Sees am See, um dort zu baden. In der weiteren Umgebung war dieser See nicht bekannt, was sich später aber ändern sollte.
Die Badestelle war an der Ostseite des Sees, an der die damalige Panzerstraße Nr. 5 der Sowjetarmee vorbei führte. Die Sichttiefe im See wurde mit 4,0 m und die Wasserfarbe mit VI bis VII bestimmt. Die weiteren chemischen Werte ergaben einen See, der während der Sommerschichtung bei 10 m Wassertiefe bis in fast 9 m noch ausreichend Sauerstoff zur Verfügung hatte. Schwefelwasserstoff wurde auch in 10 m Tiefe nicht festgestellt. Ein solches Gewässer hatten wir bisher nur im Großen Stechlin-See bei Neu Globsow festgestellt, der aber nicht mehr in Mecklenburg liegt. Auch die Sauerstoffzehrungen nach 5 Tagen erbrachten ein ähnliches Bild eines sehr nährstoffarmen Sees. So war in der Flasche aus 8 m Wassertiefe nach 5 Tagen der Sauerstoffgehalt des Wassers von vorher 8 mg/l nur auf 7,0 mg/I gesunken.
Die pH-Werte lagen von 0 m bis 10 m zwischen 5,7 und 5,5, was das Wasser als sauer auswies. Das für eine Pufferung sehr wichtige Säurebindungsvermögen, hier werden 100 ml Wasser in Gegenwart des lndikators Methylorange mit einer 0,1 N-Salzsäurelösung titriert, lag bei 0,2 und 0,3. Die gemessene Gesamthärte betrug 20 dH, die wir allerdings nur mit Seifenlösung nach B + B feststellen konnten.
Der Anteil der temporären Härte (Karbonathärte) an der Gesamthärte betrug demnach nur 0,2 x 2,8 = 0,560 dH. Zieht man dies von der ermittelten Gesamthärte ab, so stellt sich heraus, dass der größte Anteil der Härte im Wasserkörper des Sees wohl auf vorhandene Sulfate des Magnesiums und Kalziums beruhen musste. 

Die Antwort an den Mirower Angelverein, dem an dieser Stelle ein verantwortungsvolles Handeln bescheinigt werden muss, soll hier wiedergegeben werden:  

Zur Einschätzung des Sees   
 

Dieser See ist für das Einsetzen von Karpfen oder anderen Fischen von der Wasserchemie her vollkommen ungeeignet!

Gründe dafür sind:

1. Der pH-Wert liegt viel zu niedrig, das Wasser ist erheblich sauer (Wert von 5,6  müsste 7,6 sein).

2. Das Säurebindungsvermögen ist zu niedrig (Wert von 0,2 müsste 2,0 oder mehr sein).

3. Der See ist insgesamt nährstoffarm, bietet also nicht genügend Eigennahrung. Auch das Zuführen von Futter würde nicht die für Fischhaltung schlechten Werte verbessern!

4. Der See ist vom Wasser her als sehr gut einzuschätzen, ist aber fischereilich ungeeignet.

5. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, diesen See unter Naturschutz zu stellen und dafür einen anderen See als Tausch zu bekommen.

Die obigen Feststellungen sind kostenlos sowie auch die Messungen.

 

Nach der Wende änderte sich mit der zunehmenden Motorisierung die Lage am „Märchen-See“ grundlegend, denn immer mehr Einheimische und auch Urlauber fanden diesen See, um dort zu baden, zu tauchen oder zu angeln. So wurden im Herbst 1997 mehrere Personen am See beobachtet, die mit Hilfe eines Schlauchbootes mehr als 20 kg überwiegend große Barsche und Hechte anlandeten. Taucherausbildungsschulen brachten mit einem Bus mehr als 20 Taucher auf einmal an den See. Die sehr gute Wasserqualität des Sees hatten sich inzwischen sehr weit herumgesprochen.

Wie stellt sich die Lage am Märchen-See“ heute dar?

Eine Beprobung des Sees am 2.8.2000 ergab in Bezug auf die aktuellen Sauerstoffverhältnisse, die Gesamthärte, den Schwefelwasserstoff und das Säurebindungsvermögen fast das gleiche Ergebnis wie vor 22 Jahren. Allerdings waren die pH-Werte schon etwas höher als damals. Da im Sommer mögliche Nährstoffe mehr oder weniger in den Algen und Pflanzen gespeichert sind, kann natürlich nicht eingeschätzt werden, ob sich die chemischen Verhältnisse im See nicht doch schon verändert haben. Es muss mit Sicherheit angenommen werden, dass der über den Urineintrag in den See gelangte Phosphor irgendwann mit dem durch die Luftverschmutzung zugeführten Stickstoff die bisherige Sperre durchbrechen wird und zu einer sichtbaren Verschlechterung der Gewässerqualität führen wird. Am genannten Tag, der Himmel war bedeckt und die Lufttemperatur betrug um 40.00 Uhr 18°C, waren nur einige Angler am See. Die Sichttiefe betrug 4,5 m und die Wasserfarbe nach FOREL und ULE wurde mit VI festgestellt.

Inzwischen waren durch die Forstverwaltung wegen einer eventuellen Unfallhaftung Badeverbotsschilder aufgestellt worden, die aber kaum beachtet werden, was sich 14 Tage später bei schönem Wetter zeigte: An 5 Stellen rings um den See verteilt wurde gebadet und geangelt. Die seltene Ufervegetation war z.T. zertreten. Bierflaschen und anderer Müll zierten den Ufersaum. Lediglich am Nordwestteil und am Südteil des Sees verhinderte die hier vorhandene Bewaldung durch den umgebenden ehemaligen Bruchwald mit Erlen, Eichen und Birken das Entstehen von weiteren Liegewiesen zum Sonnen und Spielen. Am Südende zeigen SumpfcaIla. Teich- und Seerose sowie Breitblättriges Schilf einen morastigen Untergrund an. Der recht seltene Fieberklee ist hier ebenfalls zu finden. Vertrocknetes Torfmoos im Randgebiet ist das sichtbare Zeichen für die fortwährende Abnahme des Wasserspiegels, wodurch immer wieder neue empfindliche Randzonen des Sees freigelegt und zertreten werden können.

Inzwischen liegt ein Antrag auf Unterschutzstellung des Peetsch­Sees als Naturschutzgebiet vor, der von Mitarbeitern der Universität Greifswald eingereicht wurde. Es liegt an uns, ob der „Märchen­See“ noch lange seinen Namen mit Recht tragen kann.

Literatur:

BILEK, Juhus: Die slawischen Ortsnamen des Kreises Neustrelitz. In Heimatbuch des Kreises Neustrelitz, Neustrelitz 1953.

HOLLNAGEL, Adolf: Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler und Funde des Kreises Neustrelitz. Petermänken-Verlag Schwerin 1958.

CD-ROM: Topware. D-SAT „Deutschland von oben“ Scout Systems GmbH. Am Schatzbogen 43 c. München

RIDDER, Klaus: Unveröffentl. Meßprotokolle vom Peetsch-See bei Peetsch 

 

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