Der Findling von Weisdin
Erich Lubs, Neustrelitz

Einst ziert ich, den Äther durchspähend,
als Spitze des Urgebirgs Stock,
Ruhm, Hoheit und Stellung verschmähend,
ward ich zum erratischen Block.

V. v. SCHEFFEL

Eine auffallende Erscheinung, besonders im Gebiet der Endmoräne unserer Heimat, bilden die Findlinge oder erratische Blöcke, deren Herkunft jahrhundertelang unklar war. Erst als der schwedische Geologe TORREL 1875 die Inlandeistheorie aufstellte, die von der Wissenschaft anerkannt wurde, war das Rätsel ihrer Herkunft gelöst. Die Gletscher der Eiszeit brachten mit dem Moränenschutt auch die Großgeschiebe aus den Ausräumungsgebieten Skandinaviens, Finnlands und dem Ostseeraum zu uns. Im Eis verborgen gingen sie auf die Wanderschaft und landeten dort, wo das Eis sie freigab, in der Endmoräne. Mit kleineren und größeren Geschieben führten sie in diesen Gebieten zu einer starken Blockbestreuung, ja sogar zu Blockpackungen, wie im Raum von Feldberg, wo sie zu Schotter verarbeitet wurden.
Andere Findlinge fanden als Baumaterial für Häuser, Kirchen, Stadt- und Friedhofsmauern und Denkmäler Verwendung. Heute ist die Zahl der größeren Findlinge im Kreisgebiet stark zusammengeschmolzen, so dass sie als geologische Denkmäler unseres Schutzes bedürfen.
Auch der schöne Gneisblock auf dem Hügel in Weisdin gehört zu jenen Wanderern aus dem Norden, zu den Zeugen der Eiszeit. Als das Eis vor etwa 12 000 Jahren auf der Pommerschen Stillstandslage Halt machte und abschmolz, gelangte er in den Moränenschutt der Endmoräne. Beim Straßenbau im Zechower Wald kam der Findling eines Tages an`s Licht und erhielt als geologisches Denkmal seinen heutigen Platz. Sinnend betrachten wir den ca. 20 m³ großen weitgereisten Block, und unsere Gedanken verfolgen seinen Weg zurück.
Im Geiste sehen wir ihn als "Spitze des Urgebirges" in Skandinavien. Wir gewinnen so eine gewisse Achtung vor dem Gast aus dem Norden und nehmen ihn näher in Augenschein. Erst jetzt erkennen und bewundern wir seine Textur, die Schichtung von Feldspat, Quarz und Glimmer, die ihn als Vertreter der Gneise kennzeichnen.
Der Platz ist gut gewählt, auf dem er liegt, und der Blick von dem Hügel hinterläßt ein eindrucksvolles Bild der glazialen Formenwelt seiner Umgebung.
Der Lange See als Rinnensee durchbricht hier die Endmoräne als alte Schmelzwasserrinne. Mit etwas Phantasie können wir uns das Gletschertor am Nordende des Langen Sees ausmalen, während der Schloßberg als Horst das Gebiet überragt. Seen und Wälder, Höhen und tiefe Senken erzählen in diesem Raum von den eiszeitlichen Kräften, die diese schöne Landschaft formten.

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