Fischfauna

der oberen Feldberger Seen (Feldberger Haussee, Breiter und Schmaler Luzin) und des Carwitzer Sees (einschließlich Zansen)

Martin Krappe & Arno Waterstraat, Kratzeburg

 

1         Einführung

Die Feldberger Seenkette steht seit langem im besonderen Blickfeld des Interesses von Naturliebhabern, Bio- und Geowissenschaftlern. Grund dafür sind die Spuren und Umweltbedingungen, die die letzte Eiszeit in dieser Region hinterlassen hat. Bereits August Thienemann, der Vater der modernen Wissenschaft von den Gewässerökosystemen, schwärmte vom einzigartigen Charakter der Felberger Seen, in denen sich für ihn ein Zustand bewahrt hatte, wie sie ihn die Natur vor über 10 000 Jahren hervorbrachte (Thienemann 1933). Vor Augen hatte er dabei die tiefen, damals noch oligotrophen Zungenbecken- und Rinnenseen, deren nährstoffarmes Wasser selbst zum Ende der Sommerstagnation noch bis zum Grund von Sauerstoff gesättigt war. Dieser Zustand änderte sich in der nachfolgenden Zeit gravierend. Vorrangig kommunale Abwässer und landwirtschaftliche Einträge führten zu veränderten hydrochemischen und produktionsbiologischen Verhältnissen, die ihren bisherigen Extrempunkt in der völligen Ausstickung des Tiefenwassers des Schmalen Luzins in der Mitte der achtziger Jahre fanden. Zu diesem Zeitpunkt wurde jedoch auch mit ersten wirksamen Maßnahmen begonnen, der negativen Entwicklung Einhalt zu gebieten. Insbesondere der Anschluss der Stadt Feldberg an ein lokales Klärwerk und die Restauration des Schmalen Luzins im Rahmen eines EXPO-Projektes führten zu sichtbaren Erfolgen. Eine Rückführung in den noch vor 70 Jahren bestandenen oligotrophen Zustand würde jedoch größere Anstrengungen erfordern. Die Seen befinden sich heute in einem eutroph- bis mesotrophen Zustand.

Für die Ausprägung der natürlichen Fischfauna der Feldberger Seen war jedoch nicht nur die hohe Wasserqualität von großer Wichtigkeit. Durch das ursprüngliche Fehlen eines oberirdischen Abflusses konnte das eiszeitliche Arteninventar postglazial nur noch durch Arten ergänzt werden, deren Ausbreitung über den Luftweg (z. B. durch Vögel) möglich ist. Dies bedeutet zum Einen den Ausschluss von einigen Arten, deren Vorkommen im Gebiet ansonsten gegeben ist, zum Anderen eine lange genetische Isolation der in den Seen vorhandenen Populationen. Auch diese Rahmenbedingungen änderte der Mensch durch den Anschluss an das oberirdische Abflusssystem sowie durch fischereilichen Besatz. Das trophische Gefüge der Seen ist unter anderem durch das Vorkommen des glazialen Reliktkrebschens Mysis relicta geprägt, das in den großen Seen beträchtliche Biomasseanteile erbringt und einen wesentlicher Nahrungsbestandteil vieler hier lebenden Fische (insbes. Maränen, Barsch und Kaulbarsch) darstellt. Weitere bestimmende Habitatfaktoren für die Ausprägung der Fischartengemeinschaft sind die große Tiefe der meisten Gewässer (Maximum 58,5 m im Breiten Luzin) und den damit verbundenen großen Freiwasserkörpern sowie das für norddeutsche Verhältnisse außergewöhnliche, großflächige Vorhandensein von stein- und geröllhaltigen Uferpartien, insbesondere in den Luzinseen und im Zansen.

Die Feldberger Seen waren in der Vergangenheit mehrfach Gegenstand von Untersuchungen, die die fischereilichen Verhältnisse oder tiergeografische und andere biologische Aspekte besonders herausragender Fischarten (Glazialrelikte) zum Gegenstand hatten (z.B. unter August Thienemann und Gerd Bauch). Unter Förderung durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) wurde im Jahr 2001 ein Erprobungs- und Entwicklungsprojekt (REFUG) in Angriff genommen, in dessen erster Phase (Voruntersuchung), u. a. durch intensive fischökologische Untersuchungen, Grundlagen für die Umsetzung effizienter Schutzmaßnahmen für die glazialen Reliktarten der Feldberger Seen erarbeitet wurden (siehe auch LABUS Sonderheft 5/2003). Die Umsetzung des vorgeschlagenen, auf einem multifaktoriellen Ansatz basierenden Maßnahmenpaketes scheiterte allerdings bisher an fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten. Zum Vorkommen von Fischen im System der oberen Feldberger Seen gibt es bis bisher keine zusammenfassende Betrachtung.

 

2         Spektrum und Dominanzverhältnisse der Fischartengemeinschaft

Das historisch und aktuell ermittelte Artenspektrum der Feldberger Seen ist in der Tab. 1 wiedergegeben. Die Angaben zu historischen Vorkommen basieren auf der umfangreichen Quellendarstellung für Mecklenburg-Vorpommern durch Schaarschmidt & Lemcke (2004), welche Erwähnungen bis zum Anfang der 1980er Jahre umfasst (im vorliegenden Gebiet bis 1982). Ergänzend wurden einige Angaben aus Thienemann (1933, 1950), sowie Museumsmaterial der Ostgroppe aus dem Zoologischen Museum Hamburg berücksichtigt. Die aktuellen Angaben basieren auf umfangreichen Befischungen, die mittels Stellnetz-, Reusen- und Elektrobefischungen im Rahmen der Untersuchungen zum REFUG-Projekt (2001 - 2004) in den beiden Luzinseen sowie im Zansen durchgeführt wurden (Waterstraat et al. 2003, Krappe 2005), ergänzt durch im Zuge eines BMBF-Seenprojektes zur Entwicklung eines fischbasierten Bewertungsmodells für die EU-Wasserrahmenrichtlinie in den Jahren 2001 - 2002 vom Institut für Fischerei Rostock (IfF) erhobene Daten (Mehner et al. 2004). Letztere beinhalten vor allem zusätzliche Angaben für das Hauptbecken des Carwitzer Sees, das im Rahmen des REFUG-Projektes nicht untersucht wurde. Die aktuellen Angaben zum Artenspektrum des Feldberger Haussees entstammen der Begleitforschung zum dort durchgeführten Biomanipulationsexperiment durch das Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin (IGB) e. V. (Laude 2002).

Als weitere Quelle wurden Ergebnisse von Fischereibefragungen genutzt, die 1986 - 1989 durch die damalige Biologische Station Serrahn sowie im Jahr 1995 durch das IfF (2002) durchgeführt wurden. Diese Ergebnisse sind in der Tab. 1 gesondert ausgewiesen, wenn für die entsprechende Art keine aktuellen Befischungsdaten vorliegen. Nicht berücksichtigt wurde von diesen Befragungsergebnissen eine Bachneunaugenmeldung für den Carwitzer See. Zwar ist es möglich, dass Bachneunaugen aus Fließgewässern in Standgewässer einwandern bzw. driften, doch befinden sich unter den Zuflüssen der Feldberger Seen weder durch die Art besiedelte noch potenziell für sie geeignete Bäche. Unter den heute zum Oberflächenabfluss des Seengebietes gehörenden Gewässern befindet sich das nächste Bachneunaugenvorkommen im Boizenburger Strom, von wo die Art aber auf Grund des Wehres unterhalb des Krewitzsees normalerweise nicht einwandern kann.


Tab. 1 : Artenspektrum der Fische in den Feldberger Seen

Art

Status1)

Feldberger Haussee2)

Breiter Luzin2)

Schmaler Luzin2)

Carwitzer See mit

Zansen2)

Aal

Anguilla anguilla

gf

×

×

×

×

Hecht

Esox lucius

 

×

×

×

×

Kleine Maräne

Coregonus albula

 

×

×

×

×

Große Maräne

Coregonus lavaretus

gf

 

 

Besatz

 

Luzinmaräne

Coregonus lucinensis

 

 

×

 

 

Regenbogenforelle

Oncorhynchus mykiss

a

 

 

 

B2

Blei

Abramis brama

 

×

×

×

×

Güster

Abramis bjoercna

 

B1

B1+2

 

B2

Ukelei

Alburnus alburnus

 

×

×

×

×

Karausche

Carassius carassius

 

B1

B1+2

 

B2

Graskarpfen

Ctenopharyngod idella

a

B1

 

 

B2

Karpfen

Cyprinus carpio

gf

×

B1+2

B2

B2

Gründling

Gobio gobio

 

B1

×

 

B2

Silberkarpfen

Hypophthalmichthys molitrix

a

 

B2

 

B2

Marmorkarpfen

Hypophthalmichthys nobilis

a

B1

B1

 

 

Moderlieschen

Leucaspius delineatus

 

 

 

 

×

Plötze

Rutilus rutilus

 

×

×

×

×

Rotfeder

Scardinius erythrophthalmus

 

×

×

×

×

Schleie

Tinca tinca

 

×

×

×

×

Zwergwels

Ameiurus nebulosus

a

 

 

 

B2

Wels

Silurus glanis

gf

×

 

×

B2

Quappe

Lota lota

 

B1

×

×

×

Dreistachliger Stichling

Gasterosteus aculeatus

 

 

×

×

×

Ostgroppe

Cottus poecilopus

 

 

?

Besatz

?

Kaulbarsch

Gymnocephalus cernuus

 

×

×

×

×

Barsch

Perca fluviatilis

 

×

×

×

×

Zander

Sander lucioperca

gf

×

×

B2

B2

1) a = allochthon, gf = gebietsfremd

2) × = aktuelle Nachweise, grau unterlegt = historisch belegt, nur angegeben sofern nicht durch aktuelle Nachweise bestätigt: B1 = Fischereibefragung von 1986-89 und B2 = Fischereibefragung von 1995


2.1     autochthone Arten

Nach unseren Recherchen kommen in den genannten Seen 17 in Deutschland autochthone und in den Feldberger Seen heimische Fischarten vor. Von diesen Arten ist anzunehmen, dass sie das Seensystem bereits vor der Ankunft des Menschen besiedelten. Sie entsprechen in der Terminologie der Wasserrahmenrichtlinie der Referenzichthyozönose.

Die für die Artengemeinschaft der großen Feldberger Seen charakteristischsten Fische sind zweifellos die Maränen, die hier ein sympatrisches Vorkommen zweier einander sehr nah stehender Arten, der Kleinen Maräne und der Luzinmaräne (auch Tiefenmaräne oder im lokalen Idiom „Quietschbüker“) aufweisen. Während die Erstere in Deutschland ein größeres Verbreitungsgebiet einnimmt, dass sich von Schleswig Holstein über die Mecklenburgische Seenplatte bis ins nördliche Brandenburg erstreckt, handelt es sich bei der Luzinmaräne um eine in den Feldberger Seen endemische Art, die zurzeit nur noch im Breiten Luzin anzutreffen ist. Von der kleinen Maräne unterscheidet sie sich durch eine abweichende Laichzeit (Frühjahr), sowie durch eine Reihe von morphometrischen Merkmalen, die sich rein visuell jedoch kaum erfassen lassen. Hinsichtlich der ökologischen Differenzierung bestehen noch große Wissensdefizite. Bei den im Rahmen des REFUG-Projektes durchgeführten Untersuchungen ließen sich keine Unterschiede in Hinblick auf Nahrungs- und Raumnutzung erkennen. Thienemann (1933), der als erster Wissenschaftler auf diese Besonderheit der Feldberger Seen aufmerksam wurde, beschrieb die Luzinmaräne noch als Unterart der Kleinen Maräne, was jedoch nach dem heutigen Verständnis innerhalb ein und derselben geographischen Region nicht möglich ist. Folgerichtig wurde ihr deshalb in der späteren Literatur (Kottelat 1997) der Artstatus zugesprochen - eine Entscheidung, die auch aus den im REFUG-Projekt durchgeführten genetischen Analysen heraus gerechtfertigt ist. Eine analoge Situation einer offenbar nacheiszeitlich stattgefundenen sympatrischen Aufsplittung der Kleinen Maräne findet sich in dem unweit der Luzinseen gelegenen brandenburgischen Stechlinsee. Die dort vorkommende „Tiefenmaräne“ wurde jüngst durch Schulz & Freyhof (2003) als Coregonus fontanae beschrieben. Die autochthonen Maränenbestände der Feldberger Seen, welche sich beide durch eine relative Kleinwüchsigkeit auszeichnen, sind gegenwärtig vor allem durch fischereilichen Besatz mit Maränen fremder genetischer Herkunft gefährdet.

Eine ebenfalls für die Feldberger Seen typische Art ist die Quappe. Dieser sich vorwiegend räuberisch ernährende Fisch findet insbesondere im Lückensystem der zum Teil bis in 15 m Tiefe reichenden Blockstein- und Geröllhänge ideale Lebensbedingungen. Die Population ist für Standgewässerverhältnisse als groß zu beurteilen. Die Tiere erreichen in ihrer Dichte lokal ein Niveau, dass mit guten Quappenstrecken in großen Fließgewässern (z. B. mittlere Oder) vergleichbar ist. Als Nahrung dürfte bei der Quappe in den Feldberger Seen ebenso wie bei der u. g. Ostgroppe auch Mysis relicta eine größere Rolle spielen.

Weitere in ihren jeweiligen Habitatnieschen häufige Arten der hier behandelten Seen sind Plötze, Rotfeder, Blei und Ukelei, Barsch und Kaulbarsch sowie der dreistachlige Stichling. Zu den nur selten bzw. in geringer Dichte auftretenden Fischarten gehören der Gründling, das Moderlieschen, die Schleie sowie Karausche und Güster.

Als Raubfisch spielt in der Referenzichthyozönose neben Barsch und Quappe auch der Hecht eine wichtige Rolle. Auf Grund seiner Territorialität ist seine Dichte in den durch steile Uferhänge und meist schmale bzw. fehlende Röhrichtzonen charakterisierten Litoralbereichen allerdings stark limitiert.

Eine Besonderheit der Feldberger Seen ist das Vorkommen der Ostgroppe. Es handelt sich um einen kleinen zur Familie der Cottidae gehörender Grundfisch, der nah mit der in Deutschland weit verbreiteten Westgroppe (Cottus gobio) verwandt ist. Neben zeitweise ausgeprägter Territorialität und einem interessanten Brutpflegeverhalten sind die heimischen Groppen in ökologischer Hinsicht vor allem durch ihre Wärmeempfindlichkeit und Sauerstoffbedürftigkeit zu charakterisieren. Die Ostgroppe selbst kann wohl als die temperaturempfindlichste mitteleuropäische Süßwasserfischart bezeichnet werden. In das Gebiet der südbaltischen Tieflandebene wanderte sie zum Ende der letzten Eiszeit am Rande der Gletscher ein. Dort konnte sie nachfolgend aber nur in wenigen Seen als „Glazialrelikt“ überleben. Bei diesen Seen handelt es sich um geschichtete, nährstoffarme Gewässer, die den Tieren während der Sommermonate ein Ausweichen in das kalte und sauerstoffreiche Tiefenwasser erlauben. Eine weitere, nur in wenigen Seen gegebene Voraussetzung ist das Vorhandensein steinig-geröllhaltiger Uferzonen, die eine Reproduktion der typischen Höhlenbrüter ermöglichen. Aus dem Gebiet der südbaltischen Tieflandebene sind historische Vorkommen ansonsten nur noch aus dem Hancza- und dem Einzigsee (Polen), dem Großen Plöner See und dem Schöhsee (Schleswig Holstein) sicher belegt. Sie konnten jedoch lediglich in dem nahe der litauischen Grenze gelegenen Hanczasee bis heute überdauern. Das ehemalige Vorkommen in den Luzinseen und im Zansen ist durch Thienemann (1933, 1950) und Duncker & Ladiges (1960) schriftlich und durch eine Reihe von Präparaten gut belegt. Die letzten drei Exemplare der Ostgroppe wurden 1966 durch den Carwitzer Fischer B. Haase mit Stellnetzen im Zansen gefangen, ein Belegexemplar befindet sich im Besitz der Arbeitsgemeinschaft BONITO. Entgegen einigen von Tauchern berichteten Sichtbeobachtungen scheiterten alle späteren Versuche, den Fortbestand der Population nach wissenschaftlich anerkannten Kriterien nachzuweisen. Als Ursache für das Verschwinden der Art ist in erster Linie die Eutrophierung der ursprünglich oligotrophen Seen zu nennen. Sie führte zu Sauerstoffdefiziten im Tiefenwasser und verhinderte somit die Nutzung des Sommerlebensraumes. Daneben muss eine zeitweise starke Schwächung der Population durch den Aal (s. u.) angenommen werden. Nachdem die Habitatbedingungen im Schmalen Luzin infolge von Restaurationsmaßnahmen als wiederhergestellt betrachtet werden können, wurde im Jahr 2006 durch die GNL e.V. mit einem Wiederansiedlungsprogramm begonnen. In diesem Jahr wurden erstmals 73 Jungtiere freigesetzt, deren genetische Herkunft auf die letzte südbaltische Population im Hanczasee zurückgeht (Krappe et al. 2006).

2.2     Gebietsfremde und allochthone Arten

Durch den Menschen sind in den vergangenen Jahrhunderten eine Vielzahl von allochthonen (in Deutschland nicht heimischen) oder gebietsfremden (in Deutschland heimischen) Fischarten in die Feldberger Seen gelangt. Ein gutes Drittel (10) der insgesamt nachgewiesenen Arten (27) fällt in diese Kategorie. Diese Arten dürften in aller Regel direkt oder indirekt durch fischereiliche Besatzmaßnahmen in die Gewässer gekommen sein. Der Anschluss an die oberirdischen Abflusssysteme von Uecker und Elbe kann auf Grund einer Vielzahl von Querbauwerken hingegen keine nennenswerte Rolle gespielt haben. Vermutlich gelang es allerdings kaum einer der hier zu behandelnden Arten einen dauerhaften, reproduzierenden Bestand in den Feldberger Seen aufzubauen. Eine Ausnahme könnte der Zander, eventuell auch der Wels darstellen. Beide Arten wurden jedoch auch in jüngster Zeit noch intensiv im Rahmen der Biomanipulation im Feldberger Haussee besetzt (Wysujak & Mehner 2001), so dass diese Frage vorerst unbeantwortet bleiben muss. In den unterhalb des Feldberger Haussees gelegenen großen Seen werden Zander und Wels nur selten gefangen.

Der aktuell im Carwitzer See in sehr hoher Dichte anzutreffende, jedoch auch in den anderen Seen nicht seltene Aal ist als katadromer Wanderfisch selbst unter den jetzigen Bedingungen der oberirdischen Vernetzung (auf Grund der stromab gelegenen Wehre) nicht ohne menschliches Zutun in der Lage, die Feldberger Seen zu besiedeln. Er ist deshalb eindeutig als gebietsfremde Art anzusehen. Der Aalbesatz reicht wahrscheinlich weit in die Vergangenheit zurück und erreichte in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts beträchtliche Ausmaße. Dies zeigen sowohl die aus der Fischereistatistik hervorgehenden Aalerträge (Abb. 1), als auch die nur vereinzelt belegten Besatzzahlen, z. B. 50 kg Glasaal im Breiten Luzin 1980 oder 169 kg Glasaal + 20 kg Satzaal im Schmalen Luzin 1996. Aale finden in den Feldberger Seen hervorragende Aufwuchsbedingungen vor und profitieren ebenso wie die Quappe von der durch Stein und Geröll geprägten Litoral- und Profundalzone. Dieser Bereich ist jedoch auch das Laichhabitat der Ostgroppe, die zu Beginn der Frühjahrsvollzirkulation ins Flachwasser aufsteigt und hier mit ihren Fressfeinden um geeignete Höhlen konkurriert.

Fische Diagramm1

Abb. 1: Entwicklung der Aalerträge in den Feldberger Seen, Datengrundlage: Inst. f. Fischerei, Rostock (aus WATERSTRAAT et al. 2003)

Alle weiteren in Tab. 1 aufgelisteten allochthonen Arten werden gegenwärtig nicht durch die Fischerei besetzt und sind, soweit dies noch nicht geschehen ist, im Begriff wieder auszusterben. Dies steht außer Frage, bei den bereits auf Grund zu niedriger Sommertemperaturen nicht fortpflanzungsfähigen Cypriniden wie Graskarpfen, Marmorkarpfen, Silberkarpfen und Karpfen. Auch bei den auf eine frühere Netzkäfighaltung im Carwitzer See zurückgehenden Regenbogenforellen findet keine natürliche Reproduktion statt. Ein Mitte der 90er Jahre durchgeführter Besatz mit Großen Maränen im Schmalen Luzin scheint erfolglos geblieben zu sein, wenngleich es auf Grund der Habitatbedingungen durchaus möglich erscheinen musste, die Art hier zu etablieren. Im Zusammenhang mit einer historischen Nennung für den Carwitzer See (Siemssen 1794) vermutet Boll (1853) eine Verwechslung mit Coregonus albula. Zum Zwergwels liegt lediglich eine Meldung der Fischereiabfrage vor. Diese Art gelangt wahrscheinlich gelegentlich als Besatzverunreinigung in die Gewässer. Von einer eigenständigen Population ist derzeit nicht auszugehen.

Von den ansonsten aus den Seen der Region bekannten typischen Fischarten fällt das offensichtliche Fehlen des Steinbeißers (Cobitis taenia) ins Auge. Die Verbreitungslücke könnte mit der langen nacheiszeitlichen Isolation der Feldberger Seen zusammenhängen. Allerdings sind auch gegenteilige Beispiele von Seen ohne oberflächlichen Abfluss bekannt, in denen die Art vorkommt, z. B. im Großen Rackwitzsee im Müritznationalpark (Waterstraat & Krappe 2006).

2.3     Dominanzverhältnisse

Die tatsächlichen Dominanzverhältnisse, d. h. die quantitative Zusammensetzung der Fischartengemeinschaft eines Sees zu ermitteln, ist schwierig. Im Idealfall müssten alle Teillebensräume in ihrer Ausdehnung quantifiziert und mit einer unselektiven Fischfangmethode repräsentativ beprobt werden. In der Praxis existieren solche Fangmethoden nicht. Um sich ein annähernd reales Bild machen zu können, sollten mehrere (möglichst wenig selektive) Fangmethoden zum Einsatz kommen. Nachfolgend sollen einige nach diesen Kriterien durchgeführte Befischungen aus dem REFUG-Projekt  zur Charakterisierung der Fischgemeinschaften in den großen, ursprünglichen Maränenseen herangezogen werden. Als Fanggeräte kamen Nordische Multimaschenstellnetze (Lundgren), die Elektrobefischung mit Gleichstrom und Reusen verschiedener Bauart und Maschenweite zum Einsatz. Für die Fänge mit Multimaschennetzen, mit denen die Teillebensräume Litoral (Uferbereich) und Profundal (Gewässerhang), Pelagial (Freiwasser), Epipelagial (Gewässeroberfläche) und Benthal (Grund) beprobt wurden, ließen sich Einheitsfänge (CPUE - catch per unit effort) in Individuen pro Netz (30 m *3 m Standardfleet) in 24 h berechnen. Diese Ergebnisse sind in der Tab. 2 dargestellt. Die Ergebnisse weiterer Befischungen sind in Tab. 3 wiedergegeben.

 

Tab. 2 : Mittlerer CPUE [Ind./Netz*24 h] der Stellnetzbefischungen (Nordic-Multimesh) im Breiten- und Schmalen Luzin, aufgeschlüsselt nach Fischarten und Lebensräumen

Beprobter Lebensraum

Litoral / Profundal

Epipelagial

Pelagial

Benthal

Netz-Stellart

Grund

pelagisch

pelagisch

Grund

Breiter Luzin (Apr. 01, Jul. 01, Nov. 01, Feb. 02)

Stelltiefe

0 - 15 m

0 - 3 m

10 - 50 m

20-50 m

Anzahl Netze

4

4

31

8

Barsch

53,2 (53 %)

4,0 (5 %)

0,5 (2 %)

3,7 (20 %)

Kaulbarsch

11,7 (12 %)

 

 

4,9 (26 %)

Plötze

27,8 (27 %)

9,5 (12 %)

1,6 (8 %)

0,5 (3 %)

Rotfeder

2,7 (3 %)

 

 

 

Ukelei

1,6 (2 %)

48,9 (63 %)

 

 

Blei

0,3 (0,3 %)

 

 

0,3 (1 %)

Kleine Maräne/Luzinmaräne

3,8 (4 %)

0,9 (1 %)

18,0 (90 %)

9,3 (50 %)

Dreistachliger Stichling

 

14,5 (19 %)

 

 

Breiter Luzin gesamt

101,0

77,9

20,0

18,7

Schmaler Luzin (Mai 02)

 

 

 

 

Stelltiefe

0 - 15 m

0 - 3 m

10 - 25 m

30 m

Anzahl Netze

1

1

5

1

Barsch

46,5 (37 %)

2,7 (13 %)

 

 

Kaulbarsch

6,0 (5 %)

 

 

4,3 (25 %)

Plötze

22,5 (18 %)

8,0 (37 %)

 

 

Ukelei

 

9,4 (44 %)

 

 

Kleine Maräne

51,0 (40 %)

1,3 (6 %)

58,4 (100 %)

12,8 (75 %)

Schmaler Luzin gesamt

126,0

21,4

58,4

17,1

 

Das für die Luzinseen prägende Pelagial wird, wie die Netzfänge deutlich belegen, in sehr hohem Maße durch Maränen genutzt. Stellt man in Rechnung, dass der freie Wasserkörper den allergrößten Anteil des Gesamtlebensraumes dieser Gewässer darstellt (> 90 %), ist unverkennbar, dass es sich hier um die absolut (eu-) dominante(n) Fischart(en) handelt. Während in dem zum Untersuchungszeitpunkt stärker eutrophierten Breiten Luzin im Freiwasser noch geringere Anteile von Barsch und Plötze (ca. 10 %) nachweisbar waren, wurden bei der analogen Beprobung des Schmalen Luzins ausschließlich Kleine Maränen gefangen. Im Breiten Luzin ließ sich im insgesamt gefangenen Maränenmaterial (einschließlich hier nicht dargestellter Fänge) ein Luzinmaränenanteil von ca. 5 % bestimmen. Insgesamt erscheint der Maränenbestand des Schmalen Luzins den Ergebnissen zufolge eine höhere Dichte aufzuweisen. Dies relativiert sich jedoch in Bezug auf die Fläche, da dieser See eine deutlich geringere mittlere Tiefe als der Breite Luzin hat (14,7 m  vs. 25,2 m).

Das Epipelagial wird, insbesondere während der Sommerstagnation, nur wenig von Maränen genutzt. Stattdessen finden sich hier sehr ausgeprägt Schwärme des Ukeleis, als typischer Oberflächenfisch, sowie Barsch und Plötze. Ebenfalls in großen Schwärmen tritt der Dreistachlige Stichling zu bestimmten Jahreszeiten in Erscheinung. Für die pelagisch -epipelagische (und auch die benthische) Fischfauna ist auf Grund der generell dort zu erwartenden Arten davon auszugehen, dass sich deren quantitative Zusammensetzung im Wesentlichen repräsentativ in den Stellnetzfängen abbildet.

Anders verhält es sich bei den durch ausgeprägte Bodenstrukturen und Röhricht geprägten Habitaten. Eine Reihe der hier lebenden Fische werden auf Grund ihrer Körperform und versteckten Lebensweise (Aal, Quappe) oder ihres geringen Aktionsradius (Hecht) nicht oder kaum mit Stellnetzen gefangen. Die Ergebnisse der ergänzenden Befischungen mit anderen Methoden (Tab. 3) belegen dies deutlich. Im Litoral und Profundal, die in den Luzinseen oft nur einen schmalen Streifen darstellen, finden sich weitaus mehr Arten als in den strukturarmen Lebensräumen des Freiwassers und des Seegrundes. Im ufernahen Bereich dominieren hier Barsch und Plötze. Mit zunehmender Tiefe spielt jedoch auch der Kaulbarsch eine wachsende Rolle, während die Plötze deutlich abnimmt. Wie die Fänge aus dem Schmalen Luzin zeigen, sind mitunter auch Maränen in größerer Zahl am Gewässerhang anzutreffen. Besonders im steinigen Litoral stark vertreten sind Aal und Quappe, währenddessen der Hecht die typische Raubfischart in den Schilfröhricht- und Totholzbereichen darstellt. Letzteres Habitat ist auch der typische Lebensraum der hier häufigen Rotfeder.

Das durch eine monotone organisch geprägte Feinsedimentauflage (Mudde, Sapropel) charakterisierte Benthal, ist Aufenthaltsort mehrerer Arten, die in der Lage sind, die sich auf diesem Substrat aufhaltenden wirbellosen Nährtiere (insbesondere Chironomiden und Mysis relicta) zu nutzen. Typische Vertreter sind hier wiederum die Maränen sowie der Kaulbarsch, welche in diesem Habitat deutlich dominieren. Daneben treten jedoch auch Plötze, Blei und Barsch in Erscheinung, letzterer z. T. auch als Fischprädator.

Tab. 3 : Fischartenzusammensetzung bei Testbefischungen in den Feldberger Seen

Gewässer

Zansen

Schmaler Luzin

Breiter Luzin

Breiter Luzin

Datum

5/01

4/02

4/01

5/01

Fangmethode

Elektro

Elektro

Elektro

Reusen

Lebensraum

Litoral

Litoral

Litoral

Profundal

n [Ind.]

129

164

173

1014

Aal [%]

25,6

14,6

5,8

0,1

Barsch [%]

54,3

75,6

60,7

27,7

Kaulbarsch [%]

 

 

 

30,4

Hecht [%]

0,8

4,3

 

 

Plötze [%]

3,1

2,4

4,6

0,5

Schleie [%]

7,8

 

 

 

Dreistachliger Stichling [%]

 

0,6

28,3

41,0

Quappe [%]

8,5

2,4

0,6

0,3

 

3         Fischerei in den Feldberger Seen

3.1     Fischereiliche Klassifizierung der Seen

Die Luzin-Seen und der Carwitzer See sind, ausgehend von ihrem natürlichen oligotrophen Zustand, nach der am fischereilichen Ertragspotenzial orientierten Seenklassifizierung von Müller (1963) typische Maränenseen. Eine fischereiwissenschaftliche Einschätzung, die in den 1980er Jahren nach diesem Klassifizierungssystem erfolgte, ordnete diese Seen dem Typus „Maränen-Aal-Hecht-See“ zu. Der Haussee erhielt die Einstufung „Aal-Hecht-Zander-See“ (Anwand 1983). Diese Einstufungen widerspiegeln einerseits die damaligen limnologischen Zustände, andererseits orientierten sie sich klar an den fischwirtschaftlichen Zielsetzungen, bei denen das natürliche Artenspektrum keine Rolle spielte. Unter den Bedingungen der sich in den neunziger Jahren vollzogenen Verbesserung der Wasserqualität bewegen sich die Luzinseen und der Zansen mittlerweile wieder in Richtung ihres ursprünglichen fischereilichen Potenzials als typische Maränenseen. Der weniger tiefe und nur mit einem sehr kleinen hypolimnischen Pelagial ausgestattete Haussee dürfte im ursprünglichen Zustand am ehesten dem Typ „Aal-Hecht-See“ entsprochen haben. Nach der ebenfalls gebräuchlichen Seenklassifizierung von Bauch (1954) wird der Haussee als Blei -See der Ertragsklasse III, Breiter Luzin und Carwitzer See als Maränen-See der Ertragsklasse II und der Schmale Luzin als Maränen-See der Ertragsklasse IV angesprochen (Anwand 1983).

 

3.2     Fischereiliche Bewirtschaftung

Seit dem Beginn der Besiedlung des Feldberger Seengebietes dürfte der Fischfang eine große, lange Zeit sogar entscheidende Rolle gespielt haben. Im Jahr 1216 wird Carwitz ausdrücklich als Fischerdorf erstmalig genannt. Um 1870 wird die Ausübung des Fischereirechtes durch die Familie Saefkow seit nahezu 200 Jahren erwähnt. Ein Hinweis auf die Aalbewirtschaftung findet sich erst im 19. Jahrhundert. Vermerkt wird in diesem Zusammenhang die Gründung einer Molkereigenossenschaft im Jahr 1888 und die damit verbundene Einleitung der Abwässer in den Haussee, der bald „die fettesten Aale“ hat (Richter & Richter 1986). Bis zum Aussterben des Edelkrebses um die Jahrhundertwende, für das neben der Krebspest auch der hohe Aalbesatz verantwortlich gemacht wurde, spielte auch die Krebswirtschaft eine entscheidende Rolle. Diese wurde auch nach dem Aufkommen des amerikanischen Flusskrebses  noch lange Zeit intensiv betrieben (1 t pro Jahr um 1960) und scheint im Carwitzer See selbst gegenwärtig noch stattzufinden. Von größter Bedeutung war jedoch der Maränenfang, welcher bis zur Einführung von robusten Nylon-Netzwerken vornehmlich mit Zugnetzen (Richter 2001) betrieben wurde. Im Jahr 1961 wurde der zu diesem Zeitpunkt durch den aus Ostpreußen stammenden Fischermeister Mattern geführte Betrieb in den VEB Binnenfischerei Neubrandenburg überführt, der bis zum Ende der DDR bestand. Die mit großen Umweltproblemen verbundene Produktion von Regenbogenforellen in Netzkäfigen (bis zu 60 t pro Jahr), die 1968 im Carwitzer See ihren Betrieb aufnahm, wurde zu Beginn der 90er Jahre eingestellt. Heute werden die Seen wieder durch private Pächter bewirtschaftet, der Fischerei Frankif in Feldberg und der Carwitzer Fischerei Krüger.

Die in den großen Feldberger Seen bis in die Gegenwart vornehmlich praktizierte traditionelle Bewirtschaftungsform lässt sich  als extensiv und prinzipiell naturverträglich charakterisieren. Die wichtigsten Fangmethoden sind der Einsatz von Stellnetzen und Reusen. Die Bedeutung der Zugnetzbefischung hat seit längerem deutlich abgenommen, u. a. bedingt durch den zunehmenden Trend zur Frischvermarktung. Die Bewirtschaftung des Haussees findet vornehmlich durch Zug- und Reusenbefischung statt und ist seit Ende der achtziger Jahre stark durch das dort stattgefundene Biomanipulationsexperiment (Abfischung von Planktonfressern, Besatz von Raubfischen) geprägt.

Die Zusammensetzung der fischereilichen Fänge der drei großen Feldberger Seen in den Jahren 1994 - 2001 (Abb. 2 ) zeigt, dass die Kleine Maräne auch derzeit der wirtschaftlich wichtigste Fisch ist, gefolgt vom Aal, der im Carwitzer See eine große Rolle spielt, währenddessen er in den beiden Luzinseen seit längerer Zeit nur noch eine untergeordnete Bedeutung hat. Dies steht auch in Übereinstimmung mit den Elektrobefischungsergebnissen zur relativen Dichte des Aales. Wenngleich auch die Produktivität der Seen als Aalgewässer verschieden einzuschätzen ist, widerspiegeln die Abundanzverhältnisse und die Ertragslage vor allem das Ausmaß des Aal-Besatzes, auf dessen Problematik bereits eingegangen wurde. Weitere wirtschaftlich bedeutende Arten dieser Seen sind der Hecht und der Barsch. Es ist davon auszugehen, dass gerade die Kleine Maräne durch das hohe Ertragspotential der Seen und ihre zunehmende Vermarktung als regionale Spezialität auch in Zukunft eine herausragende Stellung bei der Bewirtschaftung dieser Gewässer innehaben wird.

Fischarten-Zusammensetzung

Abb. 2: Fischartenzusammensetzung im mittleren fischereilichen Ertrag der großen Feldberger Seen in den Jahren 1994-2001
(Breiter und Schmaler Luzin ohne 1999) Datengrundlage: Inst. f. Fischerei, Rostock (aus WATERSTRAAT et al. 2003)

Die seit 1980 durch die Fischereistatistik nahezu lückenlos vorliegenden Zahlen zu den jährlichen Maränenerträgen zeigen für den Breiten Luzin einerseits deutliche Fluktuationen (215 - 6487 t pro Jahr), die prinzipiell auf Populationsschwankungen und variierende Befischungsintensität zurückgeführt werden können, andererseits aber auch langfristig stabile Erträge. Deren Mittel lag über die Jahre 1980 - 2001 bei 2787 kg/ Jahr und im Zeitraum 1994 - 2001 bei 3126 kg/ Jahr. Setzt man die Ergebnisse einer im Rahmen des REFUG-Projektes durchgeführten hydroakustischen Biomasseschätzung des Breiten Luzins mit den derzeitig erzielten Fangmengen in Beziehung, so ist von einer jährlichen Biomasseabschöpfung von ca. 10 % des Maränenbestandes auszugehen (Waterstraat et al. 2003).

Wesentlich stärker schwankende Fangerträge (0 - 4513 t pro Jahr) zeigen sich im Schmalen Luzin. Die Gründe dafür dürften in der durch eine Vielzahl von Ereignissen stark variierenden trophischen Situation der vergangenen 30 Jahre und einem ebenfalls stark schwankenden Fischereiaufwand zu suchen sein. Der mittlere Maränenertrag der Jahre 1980 - 2001 lag hier bei 801 kg/ Jahr und in den Jahren 1994 - 2001 bei 1107 kg/ Jahr. Bei einer Auswertung älterer Fangstatistiken ließ sich für beide Luzinseen zusammen ein geschätzter jährlicher Maränenertrag von durchschnittlich 2081 kg im Zeitraum 1960 - 1971 berechnen.

Die Maränenfänge im Carwitzer See sind durch vergleichbare Erträge und Schwankungen gekennzeichnet. Der mittlere Maränenertrag der Jahre 1994 bis 2001 lag hier bei 1500 kg/ Jahr. Für den Zeitraum 1960 - 1971 wurde ein  geschätzter jährlicher Ertrag von 1635 kg Maränen ermittelt (Waterstraat et al. 2003).

Seit langer Zeit versuchen die Fischereibetriebe ihren Maränenertrag durch Besatz mit Jungfischen (M0) zu steigern. Bereits Thienemann (1933) wies darauf hin. Es ist davon auszugehen, dass es sich beim Besatzmaterial stets um genetisch fremdes Material unterschiedlichster Herkunft handelte. Für die Feldberger Seen stehen nur sehr lückenhafte Informationen zum Maränenbesatz zur Verfügung. Es ist aber davon auszugehen, dass in den letzten fünfzig Jahren nahezu in jedem Jahr ein Besatz mit Maränenbrut (M0) stattfand (z. B. im Breiten Luzin: 3,9 Mio M0 im Durchschnitt der Jahre 1980 – 85 oder 0,5 Mio M0 im Jahr 2000). Da es in den Feldberger Seen bestenfalls in einigen „schlechten“ Jahren Reproduktionsdefizite bei der Kleinen Maräne gibt, kann dieser Besatz nur den Sinn haben, schnellwüchsigere Maränen einzuführen, die dann entweder direkt in die Erträge eingehen oder durch Vermischung mit dem autochthonen Bestand langfristig zu gewünschten genetischen Veränderungen führen. Aus heutiger Sicht muss der Nutzen dieser Form des Besatzes in Frage gestellt werden. Viele Studien haben gezeigt, dass die eingesetzten Fische einer deutlich höheren Mortalität als der Wildbestand unterliegen und dass sich die durch das Einkreuzen gewünschten Eigenschaften i. d. R. nicht manifestieren. Auf der anderen Seite sind durch den Besatz genetische Veränderungen im Wildbestand sehr wahrscheinlich, die langfristig zu einer herabgesetzten Fitness, d. h. weniger angepassten Beständen führen können (Weibel & Wolf 2002, Waterstraat et al. 2002). Demgegenüber sind die hohen Kosten des Besatzmaterials in Rechnung zu stellen. Aus Sicht des Naturschutzes wäre die Einstellung des Besatzes oder die Besatzerzeugung mit autochthonen Maränen wünschenswert.

 

Danksagung

Wir danken den beiden ansässigen Fischereibetrieben sowie dem Institut für Fischerei der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern für ihre Unterstützung.

 

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aus Labus (Schriftenreihe des NABU-Kreisverbandes Mecklenburg-Strelitz)
Heft 24 (2006): S. 23 - 28.